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Das Reptil-Star-Kollektiv- gelebte Kunst.

der schmerz und das nichts

 
 
wenn ich die wahl hätte
zwischen dem nichts und dem schmerz
 
so wähle ich den schmerz
 
weil es zuviel schmerzt
hab ich das schlafen verlernt
ich säe allabendlich den schlaf
blos wächst er nicht
die vernunft berät mich
jedoch höre ich nicht auf sie
unmenschlich hartverletzt 
fühl ich mich
es reicht kein pflaster
und keine binden
die lust ist karg
die freude weg
eins hab ich aber
eine überhäufung mit plagen
 
besser als nichts !!!!!!
 
 
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zwänge
 
noch niemals war ich so müde
und wach zu gleich
meine träume glitschen mir
grau in mein gehirn
viele frauen liebten mich
hab selber kaum geliebt
teufliche zwänge haben 
mir den kopf getrübt
oh ihr nächte voller suff 
wie besessen mir das herz fast zersprang
diese zustände kotzen mich gleichermassen an
wie sie mich auch faszinieren
verquerer mensch der ich doch bin
und ich lebe noch
und ich atme noch
und ich habe schmerzen
schmerzen
schmerzen
mein freund mein feind
mein clusterhead
ist fast wie früher
aber nur fast
 
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ein tag im leben eines clusterheads - heute 8.10.2009 so geschehen
 
ich wache auf 
im schmerzszenario stufe 10+++ 
schreie vor schmerzen 
wimmere 
laufe wie ein angeschossenes tier umher 
habe keinerlei orientierung 
psychedelischer supergau 
im kopf 
und 
irgendetwas 
in mir 
weiß schon 
was zu tun 
von spritze ins bein und so
dann ist der schmerz weg 
aber 
so hyperaufgeregt wie ich bin 
und ruhelos 
die gedanken 
die spritze zu nehmen 
diese gedanken sind auf einmal verlangsamt 
zeitlupenhaft 
schemmenhaft 
ich irre 
voller wirre 
hin zu meinen raum 
langsam 
vergeht die dämmerung um meine augen 
ich sehe 
ich sehe die schatule 
kurz ist der wahnsinn aushaltbar 
erlösung 
öffne die schatule 
schraube die spritze in den pen 
in dem moment 
sehe ich 
das imigran direkt rausspritzen 
pen kaput 
der horror 
der blanke horror 
jeder gedanke 
das einen meter weiter 
im schrank 
dutzende pens mit imigran liegen 
der gedanke 
ist in weiter ferne 
ich schreie 
ich versuche den schmerz mit gegenschmerz zu überlisten 
schlage mir mit der faust 
direkt 
auf die gegenüberliegende seite meiner clusterkopfes 
will so ne art ausgleich erreichen 
immer noch kein gedanke daran 
das 
einen meter neben mir die erlösung im schrank steckt 
nein 
ich schlage wie ein berseker auf mich ein 
bis ich den schrank erblicke 
schublade auf 
packung raus 
spritze fertigmachen 
stich in den oberschenkel 
erlöst 
totale entspannung 
nur 2 sekunden 
jetzt legt der dämon noch mal richtig los 
die 10 minuten 
bis alles wirkt 
sind endlos 
endlos 
endlos 
ist so 
als ob 
meine augen herausspringen 
meine adern sehen aus wie dicke würmer unter der haut 
das auge tränt 
der kiefer scheint verformt 
die nase scheint abzufallen 
schmerzen 
ach ihr schmerzen 
habt einkehr 
in mir gehalten 
inferno 
party der schmerzen 
und 
dann 
es fühlt sich an als würden die würmer den rechten arm hinaufkriechen 
am hals 
hoch 
an die schläfe 
und auf einmal 
ist aller schmerz 
weg 
einfach weg 
wahnsinn 
ruhe im kopf 
ich bin total durchnässt vor schmweiß 
angstschmweiß 
keine kraft in mir 
alles genommen 
marathon der schmerzen 
liege 
noch 
50 minuten auf dem boden 
und 
dann ist alles 
wie ein 
böser 
traum 
aber 
meine 
momentan 
täglich realität 
morgens um 8 uhr
 
Valentin von Boehmen, 08.10.2009
 
die Kommentare habe ich von unserer alten Webseite übernommen
 
 
Valentin von Boehmen schrieb am 08.10.2009 22:12 Uhr:
und doch war es ein schöner tag !!!
 
sevenmileboots schrieb am 09.10.2009 01:13 Uhr:
puh und oje ... liest sich wie ne abgefahrene nummer aus ,naked lunch'. für einen, der's 
nicht hat, schlicht nicht vorstellbar, wie du das aushältst und dann noch sagen kannst, 
dass es doch noch ein schöner tag war. und heute war ja auch noch dein radio day ...
 
Valentin von Boehmen schrieb am 09.10.2009 06:15 Uhr:
so seltsam es auch klingen mag
der mensch vermag schier unglaubliches auszuhalten
da ich diese zustände ja mehr als kenne sind sie nichts neues für mich
man arrangiert sich mit seinem nervenkostüm
es gibt ja auch noch parallel ein anderes - normales leben -
und da möchte ich teilhaben
und nehme auch dran teil
 
sevenmileboots schrieb am 10.10.2009 11:44 Uhr:
ich nehme an, dass es auch gut ist, ab und zu über die krankheit sprechen bzw. schreiben 
zu können. sie ist ja teil deines lebens, ein teil, den andere weder ignorieren noch 
dämonisieren sollten. ich habe mir angewöhnt, menschen mit besonderen eigenschaften 
einfach direkt auf ihre besonderheiten anzusprechen, statt pseudo-tolerant so zu tun, als 
wäre die besonderheit gar nicht da. es ist eine form der wertschätzung durch interesse, 
so etwas zu thematisieren - natürlich auch nur dann, wenn das interesse auch wirklich da 
ist. und doch gibt es immer auch noch sehr viel verbindend gemeinsames. ich denke, das 
hast du mit deinem text gesagt.
 
Valentin von Boehmen schrieb am 10.10.2009 13:56 Uhr:
es ist schon interessant
viele meiner leidensgenossen haben probleme mit der umwelt wenn sie ihr leid kundtun
z.b. so schlimm wird es doch nicht sein und solche deppen bemerkungen von ahnungslosen
 
ich verarbeite meine krankheit teilweise in bildern - texten und vieles mehr
und bekomme da nur zuspruch 
was ich natürlich gut finde
 
aus der selbsthilfegruppe habe ich mich ja ausgeklingt
die beweihräuchern ihre schmerzen und jeder will den größten schmerz haben
und wenn ich dann mal mit meinen texten loslege machen die große augen und verstehen 
nichts..
 
anders im krankenhaus wo ich ja sporadisch über die krankheit berichte - da bekomme ich 
von den ärzten sowie von patienten nur positive bemerkungen - und das schönste ist ja wenn 
mir ein patient sagt das ihn das jetzt echt berührt hat und auch ihm selber hilft.