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Die sieben lustigen Zombies und der Faltendienstag

Von Christina Mertens

 

Es begab sich vor langer, langer Zeit irgendwann in einem schweinekalten Februar, dass den sieben lustigen Zombies hinter den sieben nicht ganz so lustigen - aber sie geben sich seit Jahrhunderten alle Mühe  - Müllhaufen, vor lauter Frost und den damit verbundenen Beulen das Lachen buchstäblich in ihren so oder so schon reichlich mitgenommenen Gesichtern kleben blieb.

 Es drohte sich wahrhaftig schlechte Stimmung breitzumachen, rat- und tatlos saßen die sieben Gesellen um brennende Abfalltonnen herum, kein Scherz auf den verdorrten Lippen, nicht einmal das normalerweise allseits beliebte nächtliche Rattengrillen (inklusive Bogenschießen um die Wette auf alles, was sich noch bewegt) entlockte ihren knöchernen Schultern das leiseste Zucken.

 Und wie sie einst tanzten ums Lager bei der Mitternacht, und was für ein Hallo es immer gab, wenn wieder einer Feuer fing!

 

„Those were the days, my friend“, raunte Johnny Dropdead seinem Freund Shimmy Shake durch das mit Eiskristallen überzogene Loch in seiner linken Hand zu, „ I thought, they´d never end!“, vollendete dieser das Zitat aus dem schönen, alten Song und brach in Tränen aus, was er besser unterlassen hätte, denn vor lauter Kälte (und der ihm stets eigenen Schüttelbewegung bei allem, was er tat) fiel ihm daraufhin der Kopf ab und rollte davon.

Johnny seufzte tief und zuckte dann doch die Schultern, was auch keine gute Idee war.

Mit einem freundlichen Knacksen lockerten sich seine Arme und fielen in den Dreck.

„Ach herrje“, meinte Johnny, woraufhin seine Kinnlade herab fiel. und liegen blieb.

Dies sah Chainsaw Boogie und fing an zu kichern, was sein mittlerweile komplett eingefrorenes Gesicht zum Platzen brachte.

Marlo Malat, der neben ihm saß,  streckte gerade seine klammen Finger nach einem Stückchen, das in seine Reichweite gefallen war, aus und wollte gerade verkünden, es gäbe Eis am Stiel, als ein markerschütternder Schrei - und ein Schlag auf Marlos Finger, die hierdurch pulverisiert wurden, die Stille durchbrach.

 Es war Rob, der Chefzombie!

 

„Was fällt euch ein“, er hob die lumpenumhüllte Faust und schüttelte sie - vorsichtig, denn er als Anführer war natürlich nicht so blöd wie die anderen. „Wollt ihr euch alle ganz umsonst in Stücke hauen? ohne Filmrechte? Ruhm und Ehre, Jungs, Ruhm und Ehre“. Er strich sich über seinen langen, verfilzten Bart, lächelte finster und ließ gekonnt die Augen rollen.

 Die traurige verbliebene Schar um die Mülltonnen hielt inne - sofern das in absoluter Bewegungslosigkeit möglich ist - und sah ihn an. Rob fragte sich, wieso er diese Schlappschwänze eigentlich seinerzeit nach seinen liebsten Filmcharakteren und Serienmördern benannt hatte. Er flehte stumm um Gnade deswegen. Und räusperte sich.

Dummerweise drehte dabei Hitch, der Highwaykiller seinen Kopf. Dieser rollte Shimmys Haupt hinterher und ploppte mit einem leisen, kleinen Geräusch dagegen.

„Straight Flush!“, jubelte Gonzo „The Brain“, der noch nie Poker von Bowling unterscheiden konnte, und sprang auf, die unvermittelte Bewegung riss ihn schlicht in Stücke. 

Alfred „The Monger“ traute sich eigentlich nichts darauf zu sagen, damit er nicht das Schicksal seiner Brüder teilte, ein unvermittelter Furz vermasselte dies.

Da jetzt doch alle lachen mussten, klapperte ein regelrechter Knochenregen zu Boden.

Rob zog den Kopf ein.

 

 Anschließend kletterte er auf eine Kiste, weil er zwar breit, aber eher klein gewachsen war, und verkündete:

„Nun ist es geschafft, meine nichtsnutzigen Freunde, eurer gottverdammten Dummheit und dieser verfluchten Kälte wegen ist unsere Bruderschaft dahin. Was bleibt sind nichts als Stücke, Schrott und Teile, und kein Weg zurück.“

Er zuckte die Schultern, wischte sich eine Träne ab, bevor diese gefrieren konnte, kletterte von der Kiste und machte sich seufzend an die Arbeit.

 Nach siebenundzwanzig Stunden und unter Zuhilfenahme von Boogies jetzt nutzloser Kettensäge sowie ein paar Autoersatzteilen blinzelte Robs einziges, müdes Auge im ersten Morgenlicht (von Tag 2) in ihr Gesicht.

„Marjorie Maddox, habe die Ehre“, flüsterte Rob und küsste ihre kalte, metallene Hand. „Es wird gehen“, raunte er ihr ins Ohr, hatte er ihr nicht Johnnys weich gepolsterten Hintern nebst Gonzos kompletter Brustmuskulatur verpasst.

Ihr Thunderbird- Chassee suchte seinesgleichen auf Gottes allmächtigem Schrottplatz, wenn auch ihr Gesicht ein wenig herunterhing.

Bedauerlicherweise hatte Rob in seinem Schaffensdrang nicht berücksichtigt, dass Marlos Haut ein wenig zu groß war für Hitchs Schädel, den er nach langem Suchen für am hübschesten befunden hatte.

 

Aber Rob wäre nicht Rob, der Anführer aller Schrottplatzzombies gewesen, wenn er nicht in allem sein Gutes gesehen hätte, daher küsste er mutig seine faltige Braut und hauchte ihr damit seinen verfaulten Atem ein, und weil gerade Dienstag war, nannten sie vorbenannten Tag den Faltendienstag, den Tag, an dem alle Liebenden, ob lebendig oder tot, einander gedenken sollten.

Bis sie auseinander fallen.

 

Copyright Christina Mertens 2005